Erste DWZ bekommen, so erhältst du deine erste Wertungszahl
Eine Erst-DWZ entsteht aus der Auswertung eines DWZ-gewerteten Turniers. Du brauchst dafür mindestens fünf Partien gegen Gegner mit Wertungszahl und mindestens einen halben Punkt daraus. Aus der Stärke deiner Gegner und deinen Ergebnissen berechnet der Deutsche Schachbund deine erste Wertungszahl, sie startet mit Index 1.
Was ist eine Erst-DWZ?
Die DWZ (Deutsche Wertungszahl) ist die Spielstärkezahl des Deutschen Schachbundes. Sie funktioniert ähnlich wie die internationale Elo-Zahl: Sie steigt, wenn du besser abschneidest als erwartet, und sinkt, wenn du schlechter abschneidest. Fast jeder Vereinsspieler in Deutschland hat eine.
Wer noch keine hat, gilt in der Wertungsordnung als wertungsloser Spieler. Das heißt nur, dass noch nicht genug ausgewertete Partien vorliegen.
Die Erst-DWZ ist die Zahl, die dabei herauskommt, sobald genug Partien zusammengekommen sind. In der Wertungsordnung heißt sie R1 und trägt den Index 1, also die Zahl hinter dem Bindestrich in deiner Spielerkarte, die zählt, wie oft du bereits ausgewertet wurdest.
Wie bekommt man eine erste DWZ?
Drei Dinge müssen zusammenkommen. Um zwei davon kümmern sich normalerweise dein Verein und der Turnierveranstalter.
1. Ein DWZ-gewertetes Turnier spielen
In der Praxis wird fast alles gewertet, was im Vereinsbereich mit klassischer Bedenkzeit gespielt wird: Mannschaftskämpfe, Ligen, Meisterschaften, Vereinsturniere und offene Turniere.
Die harte Grenze ist die Bedenkzeit: Mindestens 90 Minuten pro Spieler und Partie, bei Jugendturnieren U12 und jünger mindestens 60 Minuten. Blitz und Schnellschach fallen damit heraus, ebenso Thematurniere mit vorgegebenen Eröffnungszügen.
2. Genug Partien gegen gewertete Gegner
Entscheidend sind nicht deine Partien insgesamt, sondern die gegen Gegner, die bereits eine DWZ haben. Fünf solcher Partien sind das Minimum, und du brauchst mindestens einen halben Punkt daraus. Partien aus früheren Turnieren zählen als Restpartien mit.
3. Das Turnier wird ausgewertet
Der Veranstalter reicht die Ergebnisse beim zuständigen Wertungsreferenten ein. Der spielt sie ins Wertungsportal des DSB ein, und dort wird deine Erst-DWZ zusammen mit allen anderen Teilnehmern berechnet und veröffentlicht.
Kampflose Ergebnisse zählen nicht. Nur Partien, die tatsächlich am Brett gespielt wurden, gehen in die Wertung ein. Ein Sieg, weil der Gegner nicht erschienen ist, bringt dich deiner Erst-DWZ nicht näher.
Brauche ich einen Schachverein für eine DWZ?
Für eine eigene DWZ: ja. Gespeichert und veröffentlicht wird eine Wertungszahl nur für Mitglieder eines DSB-Vereins. Ohne Mitgliedschaft entsteht keine Spielerkarte, kein Verlauf und keine Zahl zum Nachschlagen.
Mitspielen darfst du trotzdem, und deine Ergebnisse werden auch in die Turnierauswertung einbezogen. Davon profitieren allerdings nur deine Gegner: Sie bekommen ganz normal ihre DWZ-Veränderung aus den Partien gegen dich. Du selbst erscheinst in der Auswertung als textueller Teilnehmer, eine datenschutzrechtlich begründete Kategorie, die seit der 2026er Wertungsordnung ausdrücklich geregelt ist.
Das gilt auch für Restpartien: Ohne Vereinsmitgliedschaft werden sie nicht gespeichert. Deine Ergebnisse sammeln sich also nicht im Hintergrund an, solange du vereinslos spielst.
Wie viele Partien brauche ich für eine erste DWZ?
Zwei Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein:
- mindestens 5 Gegner mit vorhandener Wertungszahl, gerechnet aus dem laufenden Turnier einschließlich vorhandener Restpartien
- mindestens 0,5 Punkte aus genau diesen Partien
Wer beides erfüllt, gehört zur 1. Zusatzstufe und bekommt eine Erst-DWZ.
Es gibt noch einen zweiten Weg. Alle Spieler mit Wertungszahl und die frisch gewerteten der 1. Zusatzstufe bilden zusammen die sogenannte Auswahl I. Wer fünf Partien gegen diese erweiterte Gruppe hat und darin mindestens einen halben Punkt, gehört zur 2. Zusatzstufe und bekommt ebenfalls eine Erst-DWZ. Weitere Stufen werden nicht gebildet.
Für dich heißt das: Auch wenn in deinem Turnier viele Neulinge mitspielen, kann es reichen, vorausgesetzt genug von ihnen bekommen selbst eine Erst-DWZ.
| Deine Situation | Ergebnis |
|---|---|
| 5 Partien, 2,5 Punkte | Erst-DWZ möglich |
| 5 Partien, 0,5 Punkte | Erst-DWZ möglich |
| 5 Partien, 5,0 Punkte (100 %) | Erst-DWZ möglich, Sonderregel |
| 5 Partien, 0 Punkte | noch keine, Partien bleiben erhalten |
| 4 Partien, 3 Punkte | noch keine, Partien bleiben erhalten |
Was sind Restpartien?
Restpartien sind der Grund, warum ein knapp verpasstes Turnier nicht umsonst war. Wenn du die Voraussetzungen noch nicht erfüllst, werden deine Ergebnisse gegen bereits gewertete Gegner samt deren DWZ gespeichert und in deine nächste Auswertung einbezogen.
- Erstes Turnier: 3 Partien gegen gewertete GegnerFünf sind nötig, also noch keine Erst-DWZ.
- Die 3 Partien werden als Restpartien gespeichertMit Ergebnis, Gegner-DWZ und dem Enddatum des Turniers.
- Zweites Turnier: 2 weitere gewertete Partien3 Restpartien plus 2 neue ergeben 5, die Bedingung ist erfüllt.
- Erst-DWZ wird berechnetAus allen fünf Partien zusammen, vorausgesetzt du hast daraus mindestens einen halben Punkt.
Wichtig ist die Verfallsfrist: Restpartien werden nach zwei Jahren verworfen, gerechnet ab dem Enddatum des Turniers, in dem die Partie gespielt wurde. Wer zwei Jahre pausiert, fängt effektiv wieder bei null an.
Wie wird die Erst-DWZ berechnet?
Das Grundprinzip ist schnell erklärt:
Gesucht wird diejenige Wertungszahl, bei der dein tatsächliches Ergebnis genau dem entspricht, was von einem Spieler dieser Stärke gegen genau diese Gegner zu erwarten wäre. Erzielst du gegen starke Gegner viele Punkte, muss die gesuchte Zahl hoch sein. Verlierst du gegen deutlich schwächere, entsprechend niedrig.
Ein einfacher Durchschnitt der Gegner-DWZ ist das ausdrücklich nicht. Der DSB rechnet ein Näherungsverfahren, die sogenannte Gesamtiteration: Alle Neulinge eines Turniers werden gleichzeitig berechnet, und weil Neulinge auch gegeneinander spielen, beeinflussen sich ihre Zwischenergebnisse gegenseitig. Das Verfahren wiederholt sich so lange, bis sich die Zahlen nicht mehr verändern. Im offiziellen Beispiel der Wertungsordnung sind das rund zwanzig Durchläufe.
Zum Schluss kommt ein Schritt, den viele nicht auf dem Schirm haben. Liegt das Ergebnis unter 2000, wird es nach oben korrigiert, und zwar umso stärker, je niedriger es ist. Der DSB will damit verhindern, dass Anfänger systematisch zu schlecht eingestuft starten, was auch ihren späteren Gegnern schaden würde. Die niedrigste mögliche Erst-DWZ liegt bei 1100.
Was passiert, wenn ich alle Partien gewinne?
Ein Ergebnis von 100 % ist rechnerisch heikel. Zu „alle Partien gewonnen" gibt es keine eindeutig passende Wertungszahl, denn jede noch so hohe Zahl wäre mit dem Ergebnis vereinbar. Das Verfahren würde ins Unendliche laufen.
Die Wertungsordnung löst das seit der 2026er Fassung in einem eigenen Abschnitt: Wer als Zusatzspieler 100 % erzielt, bekommt für die Berechnung ein fiktives Remis gegen seinen eigenen Gegnerschnitt hinzugefügt, behandelt wie eine zusätzliche Restpartie.
Das Ergebnis ist eine hohe, aber endliche Erst-DWZ. Sie fällt niedriger aus, als deine Siegesserie vermuten lässt, was fair ist: Fünf Siege sagen noch nicht, wie viel stärker du bist.
Umgekehrt gilt das nicht. Bei 0 Punkten entsteht keine Erst-DWZ, hier greift die Bedingung von mindestens einem halben Punkt. Deine Partien gehen aber nicht verloren, sondern werden zu Restpartien.
Was passiert, wenn ich bereits eine FIDE-Elo habe?
Dann bekommst du gar keine Erst-DWZ im eigentlichen Sinn. Die Wertungsordnung berechnet eine Erst-DWZ nur für Spieler, die bei Turnierende weder eine DWZ noch eine verwendbare Fremdwertung haben. Wer eine Elo-Zahl mitbringt, zählt in der Auswertung als etablierter Spieler und geht mit dieser Zahl als Eingangswertung ins Turnier.
Wird dir diese Zahl als neues DSB-Mitglied als erste DWZ zugewiesen, erhält sie in der Regel den Index 6 statt Index 1. Der Hintergrund: Eine Zahl, die auf gespielten Elo-Partien beruht, ist bereits belastbar und soll nicht mehr so stark schwanken wie die Zahl eines echten Neulings. Genau das steuert der Index.
Der Ausschlag gibt deine Zahl, nicht das Turnier. Nicht die Elo-Wertung des Turniers entscheidet, sondern ob du bei Turnierende selbst eine verwendbare Fremdwertung hast. Wer in einem Elo-Turnier seine allererste Elo überhaupt erspielt, ist während dieses Turniers noch wertungslos und bekommt eine normale Erst-DWZ mit Index 1.
| Deine Lage bei Turnierende | Index | Bedeutung |
|---|---|---|
| Keine DWZ, keine Fremdwertung | 1 | Erst-DWZ wird berechnet, Zahl beweglich |
| Verwendbare FIDE-Elo vorhanden | 6 | Elo wird als erste DWZ übernommen |
Wie hoch kann meine erste DWZ sein?
Am ehrlichsten zeigt das ein Rechenbeispiel. Angenommen, du spielst fünf Partien gegen Gegner mit jeweils DWZ 1600. Je nachdem, wie viele Punkte du holst, ergibt sich:
| Dein Ergebnis | Rohwert Ri | Erst-DWZ |
|---|---|---|
| 0,5 aus 5 | 1238 | 1299 |
| 1,0 aus 5 | 1362 | 1413 |
| 2,5 aus 5 | 1600 | 1632 |
| 4,0 aus 5 | 1838 | 1851 |
| 5,0 aus 5 (mit fiktivem Remis) | 1991 | 1992 |
Gut zu sehen: Bei 2,5 aus 5, also exakt 50 %, landet der Rohwert genau auf dem Gegnerschnitt von 1600. Und je niedriger der Rohwert, desto größer der Aufschlag durch die Korrektur. Aus 1238 werden 1299, ein Plus von 61 Punkten, aus 1838 dagegen nur 1851, ein Plus von 13.
Der zweite Hebel ist die Stärke deiner Gegner. Wenn du immer genau 50 % erzielst, entspricht deine Erst-DWZ ungefähr dem Schnitt deiner Gegner. Die Aufwertung sorgt dafür, dass sie im unteren Bereich spürbar darüber liegt und sich nach oben hin angleicht:
| Gegnerschnitt | Erst-DWZ | Aufwertung |
|---|---|---|
| 1200 | 1264 | +64 |
| 1400 | 1448 | +48 |
| 1600 | 1632 | +32 |
| 1800 | 1816 | +16 |
| 2000 | 2000 | 0 |
Warum das nur Näherungswerte sind. Aus Sicht eines einzelnen Spielers lassen sich nicht alle Sonderfälle einer echten Turnierauswertung abbilden. In der Gesamtiteration beeinflussen sich alle Neulinge gegenseitig, und Gegner ohne DWZ bleiben unberücksichtigt, auch dann, wenn sie im selben Turnier selbst eine Erst-DWZ erhalten. Die Wertungsordnung weist ausdrücklich auf diese Grenze hin.
Was passiert nach meiner ersten DWZ?
Ab jetzt läuft die normale Fortschreibung. Nach jeder weiteren Auswertung steigt dein Index um 1, selbst dann, wenn nur eine einzige Partie angerechnet wurde. Aus 1 wird also 2, dann 3 und so weiter.
Der Index ist mehr als eine Zählnummer. Er steuert den K-Faktor und damit, wie stark ein einzelnes Turnier deine Zahl bewegt. Bei niedrigem Index schlägt ein gutes oder schlechtes Turnier kräftig durch, ab Index 11 ändert sich am K-Faktor nichts mehr. Mehr dazu auf unserer Seite zum DWZ-Index.
Eine Kleinigkeit noch, die häufig irritiert: Für dein erstes Turnier wird keine Turnierleistung (Rh) ausgewiesen. Diese Kennzahl gibt es nur für Spieler, die schon vorher eine DWZ hatten.
Wann bekomme ich meine erste DWZ?
Der Weg vom letzten Zug bis zur Zahl in deiner Spielerkarte hat vier Stationen:
- Turnier endetMaßgeblich ist der Tag der letzten Partie.
- Veranstalter reicht die Ergebnisse einHier entsteht in der Praxis die meiste Wartezeit. Nach 6 Wochen besteht kein Anspruch mehr auf Auswertung.
- Der Wertungsreferent wertet ausIn der Regel innerhalb einer Woche, nachdem alle nötigen Daten vorliegen.
- Veröffentlichung im WertungsportalIm Allgemeinen am Tag nach der Auswertung.
Eine feste Anzahl an Tagen nennt die Wertungsordnung bewusst nicht, weil der längste Abschnitt nicht geregelt ist: die Einreichung durch den Veranstalter. Bei gut organisierten Turnieren sind es wenige Tage. Bei Mannschaftskämpfen dauert es deutlich länger, denn dort wird die komplette Saison einer Klasse zu einem einzigen Turnier zusammengefasst und erst am Ende ausgewertet.





